Wie sollte ein altersgerechtes Coaching im Wettkampf aussehen?

Permanente Anweisungen geben oder nur punktuelle Verbesserungsvorschläge ? Loben oder Toben ? Ergebnisorientiert oder Ausbildungsorientiert ? Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, um sein Team zu coachen.

Beim Jugendfußball erlebt man oftmals die unterschiedlichsten Trainiertypen und dementsprechend variiert auch das Coachingverhalten stark. Zum einen gibt es die Trainer, welche sich an der Seitenlinie ruhig verhalten und nur punktuelle Anweisungen geben, zum anderen gibt es die sogenannten "Dirigenten", welche ihre Spieler steuern wie Marionetten.


Der letztere Trainertyp prägt zumeist leider immer noch das Bild des deutschen Nachwuchsfußballs. Die Gründe warum dies so ist, sind unterschiedlich, aber könnten beispielsweise sein:

  • er hat es von einem anderen Trainer so gelernt 
  • er hat es selbst als Jugendspieler so erfahren
  • er hat den Sinn und das Ziel des Kinderfußballs nicht verstanden
  • Ergebnisdruck von außen durch öffentliche Ergebnisse und Tabelle
  • Selbstdarstellung
  • Profilierung durch positive Ergebnisse und Titelgewinne


Diese Art von Trainern gibt permanente Handlungsanweisungen: Spiele links, Tiefer Ball, Klatschen lassen, Dreh auf, Gehe ins 1 gegen 1, usw... So ungefähr sieht es aus wenn die Kinder einen Dirigenten als Trainer haben. Das komplette Spiel über. Die Folge ist, dass das Entscheidungsverhalten bei Ballbesitz durch permanente Anweisungen beeinflusst wird. Der Spieler hat eine Idee im Kopf, welche vom Trainer wieder zerschlagen wird. Das Kind muss plötzlich zwischen seiner eigenen Lösungsidee und der des Trainers abwägen, wodurch es zu einer Verzögerung der Spielhandlung kommt. Darüber hinaus gerät er auch in einen inneren Konflikt, nämlich sich eventuell gegen die Lösung des Trainers zu entscheiden und infolgedessen mögliche Konsequenzen (wie z. B. die Auswechslung) zu erfahren.


Kreativität und eine eigene Ideen sind somit nicht mehr möglich. Fehler werden lautstark kommentiert und schlimmstenfalls folgt die Auswechslung als Bestrafung. Den Folgen sind sich die Trainer zumeist gar nicht bewusst. Oftmals ist zu sehen das Kinder, die unter einem solchen Coach spielen, nach jeder Aktion verängstigt zum Trainer schauen, ob sie alles richtig gemacht haben. Des Weiteren schauen die Spieler eines "Dirigenten" Trainers oft fragend zu ihm, weil sie keine eigenen Lösungen finden, wenn er mal nichts vorgibt. Diese fehlende Kreativität und Lösungsfindung, lässt sich später schwer wieder entwickeln. Nur weil ein Trainer nicht nachhaltig ausgebildet hat, sondern nur den kurzfristigen Erfolg im Blick hatte.


Ein weiterer Punkt, welcher oft von den "Dirigenten" oder "Brülltrainern" kommt, sind schlichtweg sinnlose Anweisungen wie zum Beispiel:

  • Streng dich mal an!
  • Das war ja gar nichts!
  • Was haben wir geübt?
  • Hör auf mit dem Gedribbel!
  • Schläfst du noch?
  • Konzentriere dich mal jetzt!


Was bringen derartige Anweisungen ? REIN GAR NICHTS außer Verunsicherung und Angst. Genauso sinnfrei sind die wild gestikulierenden Trainer an der Seitenlinie wie im Profifußball. Welcher Spieler hört dich, wenn du bei 60.000 schreienden Fans etwas rufst. Des Weiteren berherrschen die meisten Spieler keine Zeichensprache. Man kann sich also ausmalen, wie hoch die Quote der Anweisungen ist, die ihr Ziel erreichen und umgesetzt werden können. Doch der Zuschauer sieht einen engagierten Coach, der sich einfach nur selbst darstellen möchte. Wirklich wichtig sind die Anweisungen vor dem Spiel und in der Halbzeit. Auch kleine Botschaften während des Spiels sind möglich, aber dieses wilde Gestikulieren und Herumgebrülle bringt rein gar nichts. 


So ist es auch bei vielen Nachwuchstrainern. Sie wollen sich selbst darstellen. Fehler müssen lautstark kommentiert werden, Schiedsrichterentscheidungen müssen bewertet und reklamiert werden. So will er den Zuschauern zeigen, dass der Misserfolg nur am Unvermögen seiner Jungs liegt, die seine Ideen einfach nicht umsetzen können.


Wie sollte altersgerechtes Coaching aussehen ?

Jeder Trainer sollte zunächst folgendes Motto sich selbst und den Eltern verinnerlichen: Im Kinderfußball wird gesät und nicht geerntet.

Das bedeutet, dass wir als Kinderfußball Trainer nicht an den kurzfristigen Erfolg (Ergebnis) denken sollten, sondern an die nachhaltige Ausbildung. Wenn man das für sich selbst und auch den Eltern verinnerlicht hat, geht man als Trainer viel entspannter in den Wettkampf. Dementsprechend sieht dann auch das Coaching aus. Es findet nämlich nur begleitend statt. Die Kinder sollen und dürfen sich ausprobieren. Wenn nicht im Kinderfußball, wann dann ? Sie sollen Kreativität entwickeln und viele Erfahrungen sammeln. Fehler sind gestattet und auch notwendig, um daraus zu lernen.


Falsche Handlungen dürfen nicht mit sinnlosen Zwischenrufen kommentiert werden. Verbesserungsvorschläge sind hingegen völlig in Ordnung. Ein gutes Coaching sollte dem Spieler stets helfen. 


Zum Beispiel: Niklas bekommt einen Pass und schließt direkt ab und haut den Ball über das Tor.


Falsches Coaching: Niklas konzentriere dich doch mal! Das war eine 100%ige! Der muss rein!

Folge: Das Kind weiß nicht was es verbessern kann und hat Angst das Tor beim nächsten mal wieder nicht zu treffen.


Korrektes Coaching: Niklas bringe den Ball beim nächsten mal mit einem Kontakt unter Kontrolle und schließe dann ab. Der nächste ist drin. Weiter so.

Folge: Das Kind weiß was es verbessern kann und ist motiviert es ohne Angst weiter zu versuchen.


Motivation ist auch ein enorm wichtiger Punkt. Egal ob beim Anfeuern im Spiel oder das Aufmuntern nach ausgelassenen Chancen. Lob kommt immer gut an! Hier kann man als Trainer wenig falsch machen. Die Spieler nehmen alle motivierenden Handlungen des Trainers positiv wahr und fühlen sich davon gestärkt. 


Des Weiteren ist es wichtig Ruhe und Gelassenheit auszustrahlen. Wenn du ruhig bist und Aggressionen aus dem Spiel nimmst, dann sind deine Spieler es auch.  Dein Verhalten ist sowohl für die Kinder, als auch für die Eltern ansteckend. Respekt im Umgang mit allen Beteiligten (Mannschaftsmitgliedern, Schiedsrichtern, Gegner, Zuschauern, etc.) sollte vom Trainer vorgelebt werden. Denke immer daran: Du bist ein Vorbild für die Kinder.


Selbst wenn der gegnerische Trainer, Eltern oder Kinder nicht fair sind, solltest du dich als Trainer auf keinerlei Diskussionen einlassen und Fairness vorleben. Dem Gegner macht es nämlich nur Spaß dich zu ärgern, wenn du darauf einsteigst. Und egal wie ein Spiel verlaufen sein sollte, du solltest deine Kinder immer dazu auffordern mit dem Gegner abzuklatschen, egal wie verärgert man ist.


Ich persönlich habe auch einmal ein Turnierspiel abgebrochen, weil es einfach zu unfair wurde. Es gab zwar keine 3 Punkte und wir konnten somit die "goldene Ananas" nicht mehr gewinnen, aber wir haben ein Zeichen gesetzt, denn das Verhalten des gegnerischen Trainers änderte sich urplötzlich zum Positiven in den restlichen Turnierspielen. Dem gegnerischen Trainer und auch den Eltern, war es sichtlich unangenehm, dass ein Spiel wegen ihnen abgebrochen wurde. Wir hingegen bekamen positiven Zuspruch, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben, da dieses Verhalten kein Einzelfall war, jedoch andere Trainer sich nicht getraut haben das Spiel zu beenden. Viele wissen gar nicht, dass sie mit ihrem unfairen Verhalten nicht nur den Kindern, sondern auch sich selbst und dem Verein schaden. Als Trainer bist du immer ein Repräsentant deines Clubs. Sei dir auch dessen immer bewusst.


Checkliste für ein gutes Coachingverhalten

  1. Verbesserungshinweise im Spielverlauf nur punktuell
  2. loben
  3. viel motivieren 
  4. nur sinnvolle Kommentare und Anweisungen
  5. die Kinder nicht durch permanente Anweisungen steuern, sondern eigene Lösungen finden lassen
  6. niemals die Kreativität der Kinder einschränken
  7. Spaß vorleben und vermitteln
  8. Fehler sind erlaubt und werden nicht bestraft (Auswechslung)
  9. Selbstvertrauen der Kinder stärken, anstatt sie zu verunsichern
  10. für positive Grundstimmung sorgen
  11. Ruhe und Gelassenheit an der Seitenlinie ausstrahlen
  12. keine Diskussionen mit dem Schiedsrichter, dem gegenerischen Trainer oder den Eltern
  13. Fairplay vorleben und vermitteln



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