Warum im Kinderfußball die individuelle Ausbildung über dem mannschaftlichen Erfolg steht ?

Für viele Trainer und Eltern steht das Ergebnis immer noch an oberster Stelle. Selbst die Einführung der Fairplayliga und Funino konnte dies nur bedingt ändern. In diesem Artikel wird noch einmal verdeutlicht, warum Ergebnisorientierung im Kinderfußball der falsche Weg ist.

Wenn der Sieg von heute, einer optimalen Ausbildung des jungen Talents für morgen vorgezogen wird, dann stimmt etwas nicht. Kinder werden häufig zum passiven zuschauen verdammt, da der Erfolg für Trainer und auch Eltern an oberster Stelle steht. Am Ergebnis wird für sie gemessen, wie gut ihre Kinder wirklich sind. Dabei lässt sich anhand des Ergebnisses kaum etwas ableiten, außer das die eine Mannschaft mehr Tore geschossen hat, als die andere. Denn im Kinderfußball ist es auch mit einem mittelmäßigem Leistungsstand relativ einfach viele Spiele zu gewinnen, doch darum geht es nicht. 


Sich beim Spiel zu vergnügen, zu experimentieren, neue Erfahrungen zu sammeln, zu dribbeln, kreativ zu sein und Fehler machen zu dürfen wird heutzutage ersetzt durch ein "Um den Sieg bangen", Angst vor einer Blamage und Erfolgsdruck. 


Der Schlüssel für die Lösung dieses Problems liegt in der Hand der Fußballverbände. Mit der Fairplayliga und der Einführung von Funino wurden zwei große Schritte in die richtige Richtung getan, auch wenn es leider immer noch wenige Trainer gibt, die eine optimale Ausbildung ihrer Spieler einem Sieg vorziehen. Im Kinderfußball sollte niemals an den kurzfristigen Erfolg, sondern immer an eine ganzheitliche Ausbildung und langfristige Entwicklung gedacht werden. In den älteren Jahrgängen macht sich dann erst bemerkbar, welche Spieler eine gute Grundlagenausbildung genossen haben und welche Spieler (zumeist technische Defizite) von erfolgshungrigen Trainer ausgebildet wurden.


Im Kinderfußball wird gesät und nicht geerntet !

Um das ganze noch einmal zu verdeutlichen, stellen wir euch zwei Varianten vor. Die eine Variante hat das Ziel "Gewinnen", die andere Variante das Ziel "Ausbilden". Entscheidet selbst, welche der beiden Varianten ihr als Trainer wählt.


ZIEL: GEWINNEN

  • Spieler die körperlich unterlegen aber technisch besser sind, bleiben auf der Bank.
  • Beim Training wird ein taktisches Konzept eingeübt, weil sich das Resultat meist sofort bemerkbar macht.
  • Aufstellung und Spielsystem werden dem Gegner angepasst.
  • Im Angriff wird der Ball aus der Abwehr direkt zur Sturmspitze geschlagen, um möglichst schnell und einfach zum Torerfolg zu kommen.
  • Es werden sehr viele lange Pässe gespielt. Auch der Torwart schlägt den Ball beim Abstoß immer lang.
  • Der Trainer steuert seine Spieler von der Seitenlinie, da sie sonst nicht wissen was sie machen sollen. Die Spieler sind vom Trainer abhängig.
  • Es wird jegliches Risiko verboten.
  • Jeder Spieler hat bereits seine feste und dementsprechend auch beste Position.
  • Es gibt einen festen Torwart.
  • Nur die Besten spielen.
  • Dribblings sollen so gut es geht vermieden werden. Das Risiko eines Ballverlustes ist zu hoch.


ZIEL: AUSBILDEN

  • Alle haben das Recht zu spielen, unabhängig von ihrer körperlichen Entwicklung und technischen Fähigkeiten.
  • Beim Training liegt der Schwerpunkt auf der Verbesserung individuellen technischen Fähigkeiten.
  • Das Spielsystem und die Aufstellung werden unabhängig vom Gegner getauscht, damit die Spieler möglichst viel Erfahrungen sammeln können.
  • Das Zusammenspiel und das offensive 1 gegen 1 werden gefördert. Im Angriff soll sowohl die Breite als auch die Tiefe des Spielfeldes genutzt werden.
  • Lange unkontrollierte Bälle sollen nicht gespielt werden.  Dafür viele kurze Pässe. Der Torwart spielt den Abstoß immer kurz und flach.
  • Der Trainer greift nur punktuell ins Spielgeschehen ein und lässt seine Spieler selbst entscheiden. Die Spieler sind kreativ und nicht vom Trainer abhängig.
  • Risiken und Fehler sind erlaubt, auch wenn ein Tor gegen die eigene Mannschaft dadurch fallen kann. Denn nur aus Fehlern kann man lernen.
  • Die Positionen werden ständig getauscht, denn jede Position erfordert andere Aufgaben und Fähigkeiten, welche für die ganzheitliche Entwicklung und für das Spielverständnis wichtig sind.
  • Auch die Torhüter werden regelmäßig getauscht, denn ein guter Torwart, sollte auch ein guter Feldspieler sein.
  • Jeder Spieler bekommt unabhängig vom Spielstand und individuellem Leistungsvermögen die gleiche Spielzeit.
  • Die Spieler werden stets zum Dribbling und 1 gegen 1 ermutigt, auch wenn ein Ballverlust die Folge sein könnte.


Ein Jugendtrainer, der von Sieg zu Sieg eilt, hat mehr für seine eigene Zukunft getan, als für die seiner jungen Spieler.


Die Besessenheit vieler Trainer und Eltern, schnellstmögliche Resultate (GEWINNEN) sehen zu wollen, führt häufig dazu, dass im Training dementsprechend ergebnisorientiert gearbeitet wird. Das heißt viele isolierte Übungsformen, einstudierte Passfolgen, Standardsituationen oder Taktiken werden trainiert, da dies die Mittel für schnellen Erfolg sind. Alles auf Kosten der wirklich wichtigen fußballerischen Fähigkeiten.


Jeder Trainer sollte sich noch einmal bewusst machen, dass im Kinderfußball ein guter Coach nicht an seinen Ergebnissen, sondern an der Entwicklung seiner Spieler gemessen wird. Wir hoffen ihr entscheidet euch für die richtige Variante.

Zurück
Andere Beiträge