Warum die Rotation der Positionen im Kinderfußball so wichtig ist ?

Ein Thema was viele Trainer und auch Eltern beschäftigt. Ein Großteil der Trainer legen schon in der F-Jugend die Positionen ihrer Spieler fest. Mit dem einfachen Hintergrund: Gewinnen.

“Tom kann gut schießen, der ist Stürmer. Felix ist ein Kämpfer und körperlich überlegen, das ist ein Verteidiger. Pascal ist schön groß, das ist ein Torwart.”


So in etwa, sieht das Denken vieler Jugendtrainer aus und dementsprechend verläuft dann auch die Entwicklung der Kids. Das bestätigte mir vor kurzem auch wieder ein Gespräch mit einem Trainerkollegen. Ich lobte seine Mannschaft und er antwortete mir ganz stolz: "Jeder hat bei mir seine feste Position. Ich kenne meine Jungs einfach und weiß wo deren Stärken liegen." Ich ersparte mir daraufhin jegliche Belehrung.

Durch so eine engstirnige Philosophie verlieren viele Kinder den Spaß am Spiel, weil sie gerne auch einmal auf einer anderen Position spielen wollen, aber nicht dürfen. 


Um Spieler bestmöglich entwickeln zu können, ist es daher enorm wichtig auf den Positionen zu rotieren.


“Das Motto lautet: Rotation statt feste Position !”


Die meisten Kinder wollen Stürmer spielen. Ganz klar. Dort schießt man viele Tore, man kann am meisten jubeln und man macht die Eltern stolz. Kaum ein Kind erzählt seinen Eltern, wie viele Bälle er verteidigt hat. Manche Eltern sprechen sogar eine Belohnung aus, wenn der Sohn oder die Tochter ein Tor schießt. Da schlage ich übrigens beide Hände über den Kopf zusammen. Natürlich will man dann erst recht Stürmer sein. Doch leider, ob sie wollen oder nicht, muss es auch Verteidiger und einen Torwart geben. Was oftmals für große Enttäuschung sorgt, welche durch die Rotation der Positionen gar nicht mehr so groß ist.


Wie sieht das Rotationsprinzip im Kinderfußball aus ?


Sollte die Startaufstellung wöchentlich geändert werden oder wird auch während des Spiels rotiert ? Am besten beides.

Die Wechsel können im Grundlagenbereich (G bis E-Jugend) ca. alle zehn Minuten erfolgen. Je nach Spieleranzahl und Spielzeit. Gehen wir einmal vom regulären Spielbetrieb der F-Jugend aus. Dort wird mit 1 Torwart und 6 Feldspielern gespielt. In diesem Fall empfehle ich maximal 10 Kinder für den Wettkampf zu nominieren. Alles andere macht keinen Sinn, da die Spielzeit für jeden einzelnen sonst viel zu gering wird.

Bei einem 3-3 System könnte beispielsweise wie folgt rotiert werden (siehe Abbildung): die 3 Verteidiger wechseln in den Sturm, die 3 Stürmer verlassen das Feld und die 3 Wechselspieler werden zu Verteidigern. Beim nächsten Wechsel genau das gleiche noch einmal. Bei einer Spielzeit von 40 Minuten könnte man somit einmal nach ca. 13 Minuten und das zweite mal nach ca. 26 Minuten wechseln. Ein ganz einfaches Rotationsprinzip mit viel Wirkung. Jeder bekommt die gleiche Spielzeit und jeder Spieler war zu gleichen Anteilen Verteidiger und Stürmer. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass durch die gleiche Spielzeit und die Rotation, Ärger mit den Eltern vorgebeugt werden kann. Es kann keiner mehr sagen: "Warum spielt mein Kind weniger oder warum darf mein Kind nie Stürmer sein ?"

Leider neigen immer noch viele Trainer aus falschem "Gewinndenken" dazu, stärkeren Spielern mehr Einsatzzeit zu geben als schwächeren. Doch damit verlieren die schwächeren Kinder nicht nur den Spaß am Spiel, sondern auch an Selbstbewusstsein.  Den Torwart dürfen wir bei der Rotation natürlich nicht vergessen. Dieser kann/sollte jedes Spiel gewechselt werden. Egal ob bei einem Turnier oder Staffelspiel. So hat man auch auf der Torwartposition eine faire und entwicklungsfördernde Lösung.


Ein weiterer Vorteil des Rotationsprinzips ist, dass jeder Spieler jede Position auf dem Feld kennenlernt. Doch warum ist das so wichtig? Weil durch die Rotation der Positionen das Spielverständnis, die technischen Fähigkeiten, die Spielintelligenz und auch das taktische Grundverständnis verbessert wird. Dies hilft wiederum in bestimmten Situationen eher die richtige Entscheidung zu treffen.


Des Weiteren wirkt sich die Rotation positiv auf das Teamgefühl aus. Wenn du als Trainer die Positionen tauschst, wird in der Regel viel weniger übereinander geschimpft. Jeder kennt es. Die Verteidiger schimpfen über die Stürmer, die Stürmer über die Verteidiger und der Torwart ist sowieso immer der Ar.... . Beim Rotationsprinzip kennt jeder das Gefühl des anderen und entwickelt somit ein größeres Verständnis für Fehler des Mitspielers. Der schimpfende Stürmer spielt schließlich im gleichen Spiel noch als Verteidiger und möchte dann auch nicht angemeckert werden.


Ein weiteres wichtiges Argument für das Rotationsprinzip ist die ganzheitliche Entwicklung der Spieler. Jede Position bringt verschiedene Herausforderungen und Aufgaben mit sich. Als Stürmer lernt ein Kind sich im offensiven 1 gegen 1 zu behaupten und verbessert den Torabschluss. Als Verteidiger lernt man den Spielaufbau und natürlich vermehrt das defensive 1 gegen 1. Durch die verschiedenen Aufgaben auf jeder Position, wird nicht nur das Spielverständnis, sondern auch die technischen Fähigkeiten verbessert.


Kinder, die schon im Grundlagenbereich auf eine feste Position spezialisiert werden, sind in ihrer Entwicklung eingeschränkt. Sie können nur das eine und sind später nicht flexibel einsetzbar. Nur mit dem Rotationsprinzip können die Kinder zu kompletten Fußballern ausgebildet werden.


Doch warum nutzen so viele Trainer das Rotationsprinzip nicht ?


Der Hauptgrund ist wahrscheinlich, dass durch die Rotation der Positionen ein Leistungsabfall während des Spiels eintritt und somit auch das ein oder andere Spiel verloren geht. Man muss als Trainer also akzeptieren gegen nicht rotierende Mannschaften mal zu verlieren, gegen die man beim Verzicht auf die Rotation vielleicht gewonnen hätte. Auch der Ergebnisdruck von den Eltern, anderen Trainern oder eventuell vom Jugendleiter spielen eine Rolle, warum manche Trainer nicht auf den Positionen tauschen. Die Kinder selbst haben mit der Rotation erfahrungsgemäß die geringsten Probleme. Natürlich hat jeder Spieler seine Lieblingsposition und auch jeder Spieler ist auf einer bestimmten Position am stärksten, aber eine Spezialisierung hat in der Grundlagenausbildung mit Blick auf die fußballerische Zukunft nichts zu suchen.


“Denkt immer daran: Das kurzfristige Gewinndenken schadet der langfristigen Entwicklung der Kinder. “


Wie gut die Rotation der Positionen der Entwicklung der Kinder wirklich getan hat, ist nicht sofort sichtbar. Spätestens im Großfeldbereich werden es euch jedoch Trainer, Spieler und auch die stolzen Eltern danken. Denn dort werden die Lorbeeren geerntet, welche in der Grundlagenausbildung gesät wurden.

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