Rituale im Kinderfußball - Ein wichtiges Instrument für einen geregelten Trainingsalltag

Rituale gibt es überall. Egal ob beim Fußball, zu Hause oder in der Schule. Sie sind ein großer Teil des Lebens und können den Alltag, zum Teil sehr erleichtern. 

Rituale und Routinen spielen im Fußball eine große Rolle. Dabei unterscheidet man zwischen den persönlichen und den gemeinsamen Ritualen.

Persönliche Rituale werden als eine Art Aberglaube genutzt, um sich selbst ein positiveres Gefühl zu vermitteln. Dabei hat jeder Fußballer sein eigenes kleines Ritual. Einige typische Beispiele von Fußballern sind:


  • erst den rechten Schuh anziehen oder umgekehrt :)
  • zuerst mit dem rechten Fuß den Platz betreten oder umgekehrt :)
  • sich kreuzigen bevor man den Platz betritt
  • kurzes Gebet vor dem Spiel
  • bestimmte Musik hören vor dem Spiel
  • mit einem Bein 3xmal hüpfen wenn man den Platz betritt


Es gibt noch unzählige weitere Beispiele. Nicht jeder, aber viele Spieler haben ihr eigenes kleines Ritual, welches ihnen Sicherheit und ein positives Gefühl geben soll. 


Was sind eigentlich Rituale ?

Rituale sind Ankerpunkte im Leben. Sie könnten auch als Gewohnheit beschrieben oder mit diesen gleichgesetzt werden. Sie geben Stabilität, an denen sich viele andere Abläufe ausrichten können. Besonders wichtig sind Rituale, weil Sie eine Struktur verleihen. Sie können dabei helfen, Tage, Wochen oder ganze Jahre in ein geregeltes System zu unterteilen. Es sind Situationen, die kontrollierbar oder auch änderbar sind und die wir in- und auswendig kennen. Keine Neuheiten, kein Stress, keine Veränderung, keine Herausforderung, auf die wir reagieren oder an die wir uns anpassen müssen. Rituale werden zum Großteil gar nicht so bewusst wahrgenommen. Wie sehr wir unsere persönlichen Rituale unterbewusst verinnerlicht haben, merken wir immer erst dann, wenn ein Ritual ausfällt oder gerade nicht umsetzbar ist. Plötzlich ist alles irgendwie anders, es fühlt sich komisch an und je nachdem, wie sehr Rituale den Alltag prägen, bedeutet das plötzliche Fehlen oft auch Probleme. 


Wozu braucht man Rituale ?

Rituale vermitteln ein Gefühl von Sicherheit. Sie machen das Leben vorhersehbarer, kontrollierbarer und somit auch etwas einfacher. 

Rituale sorgen für Geborgenheit, denn diese entsteht auch aus Wiederholungen und Mustern, auf die sich besonders Kinder verlassen können. Immer wiederkehrende Abläufe bringen in die kleine Welt des Kindes, Übersicht. Sie vermitteln Verlässlichkeit und Vorhersehbarkeit. Rituale haben darüber hinaus weitere Funktionen:  Sie stärken durch immer wiederkehrende und vorhersehbare Abläufe die emotionale Verbundenheit, was beim Kind wiederum für Sicherheit und Halt sorgt. Sich geborgen fühlen ist auch für das Spiel des Kindes eine Grundvoraussetzung. Das gilt sowohl für die Schule als auch für den Fußball. Nur durch eine positive emotionale Verankerung, kann sich das individuelle Lernprogramm des Kindes entfalten.


Rituale sind jedoch nicht „einfach da“, sondern sie entwickeln sich: in einer Familie, der Gesellschaft oder der Fußballmannschaft.

Rituale bieten Orientierung. Sie helfen Kindern, sich im Alltag zurechtzufinden, wenn immer zur selben Zeit, die immer wiederkehrenden Handlungen stattfinden. So kann sich das Gefühl von Zuverlässigkeit und das sich auf andere verlassen können, entwickeln. Des Weiteren entlasten Rituale Kinder, Eltern und auch Trainer, weil gewisse Situationen im Tagesablauf nicht immer wieder neu ausgehandelt werden müssen. Besonders Kinder lieben Rituale, weil ihnen die immer wiederkehrenden Routinen das Gefühl von Verlässlichkeit, Sicherheit und Vertrauen geben. Zusätzlich geben diese Wiederholungen ihnen das Gefühl, etwas zu kennen und zu können, was wiederum das Selbstbewusstsein fördert.


Rituale im Kinderfußball

Wie bereits erwähnt, schaffen Rituale eine angenehmere Lernatmosphäre. Die Kinder kommen zum Training oder Spiel und sind mit gewissen Abläufen bereits vertraut, was wiederum die Arbeit des Trainers enorm erleichtert, weil er einige Dinge nicht immer wieder neu erklären muss. Die Spieler führen somit gewisse Handlungen nach einiger Zeit automatisiert durch. Einige Rituale im Kinderfußball können zum Beispiel sein:


  • Begrüßung per Handschlag (vielleicht auch ein individueller Handschlag und keine normales Hände schütteln)
  • Rituale vor dem Training (Jonglieren üben, freies austoben, Rondo/4gegen2),...)
  • Schwerpunkt des Trainings vorstellen
  • Gemeinsames Abbauen nach dem Training (alle Spieler räumen das Trainingsfeld gemeinsam auf)
  • Duschen 
  • Besprechung vor dem Spiel (Aufstellung, kleine Anweisungen, motivierende Worte)
  • Musik hören
  • Erwärmung vor dem Spiel (wiederkehrende Eräwmungsformen vor dem Spiel)
  • Schlachtruf 
  • Begrüßung des Gegners am Mittelkreis 
  • Gemeinsame Verabschiedung am Mittelkreis
  • 9m-Schießen
  • kurze Auswertung nach dem Spiel (alle Spieler kommen noch einmal zusammen und der Trainer wertet das Spiel kurz gemeinsam aus)


Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Rituale sehr individuell sein können und es auch in jedem Team andere geben kann. Manche Rituale werden von Anfang an eingeführt und andere entwickeln sich im Laufe der Zeit. Wichtig ist jedoch, das Rituale eingeführt und genutzt werden, da diese den Trainings-und Spielalltag zum Teil sehr erleichtern können und zum anderen die Kinder einen gewohnten Ablauf haben, auf den sie sich einstellen können.



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