Handlungsschnelligkeit im Fußball - Dem Gegner immer einen Tick voraus sein

Als Spieler schnell neue Situationen erkennen und gleich passende Lösungsmöglichkeiten parat zu haben, ist eine grundlegende Fähigkeit, um überhaupt eine Chance im Profifußball zu bekommen. Daher sollte man die Handlungsschnelligkeit immer wieder mit passenden Spielformen trainieren. 

Der moderne Fußball wird immer schneller. Deshalb bedarf es nicht nur motorisch schneller, sondern auch und vor allem handlungsschneller Spieler. Wer schnell spielen will, muss Situationen schnell wahrnehmen, Lösungsmöglichkeiten erkennen und sie technisch gut umsetzen können. 


Insgesamt durchläuft ein Spieler mehrere Phasen bis er eine Aktion tatsächlich ausführt. Dies geschieht in Bruchteilen von Sekunden.


Wahrnehmungsphase

In dieser Phase geht es grundsätzlich darum, entsprechende Situationen wahrzunehmen und dabei stets den Überblick für den Raum zu behalten (Spielfeld, Gegner, Mitspieler).  


Beispiel: Beim eigenen Abstoß verschafft sich unser zentraler Spieler einen Überblick über Raum, Gegner und Mitspieler. Das heißt wo befindert er sich selbst auf dem Feld, wo ist sein Gegenspieler und wo befinden sich seine Mitspieler.


Antizipationsphase

Gute Spieler antizipieren den nächsten Schritt des Gegners oder den des Mitspielers. Das bedeutet, dass die nächste Situation oder der nächste Pass vorausgeahnt wird.


Beispiel: Nachdem unser zentraler Spieler den Gegner und Raum wahrgenommen hat, antizipiert er, dass der Torwart ihn anspielen möchte und läuft nach einer kurzen Auftaktbewegung etwas entgegen. 


Entscheidungsphase 

Wie der Name es schon sagt, bieten sich dem Spieler sowohl mit als auch ohne Ball stets verschiedene Handlungsmöglichkeiten. Dabei muss er sich im Bruchteil einer Sekunde entscheiden. Die richtige Entscheidung braucht viele Erfahrungswerte. Diese Erfahrungswerte basieren aus Fehlern, welche Kinder machen dürfen und auch sollen. 


Beispiel: Nachdem unser zentraler Spieler sowohl Raum als auch Gegner wahrgenommen und den Pass des Torhüters antizipiert hat, muss er sich nun entscheiden. Was mache ich mit dem Ball ? Lasse ich ihn auf den Torwart klatschen, drehe ich mich schnell auf oder nehme ich den Ball zur Seite mit und passe ihn zum Mitspieler ? Innerhalb eines Sekundenbruchteils muss der Spieler die richtige Lösung finden.


Ausführungsphase

Die Erste von vier Phasen, welche sich nicht mehr Kopf sondern in den Beinen abspielt. Die Ausführung ist für alle sichtbar und grundsätzlich die Phase, welche von den Zuschauern und Trainern am häufigsten bewertet wird. Hier sind nun die technischen Fähigkeiten des Spielers gefragt, um die entsprechende Handlung schnellstmöglich, präsise und auch sauber ausführen zu können. 


Beispiel: Der zentrale Spieler lässt den Ball sauber mit der Innenseite auf den Torwart klatschen, da er gemerkt hat das ihm der Gegner im Nacken sitzt und auch die Mitspieler auf den Außen gedeckt sind. 


All diese Phasen gehen fließend ineinander über und laufen automatisiert ab. Ein Spieler muss sich im Wettkampf unzählige Male entscheiden und dementsprechende Aktionen ausführen. Die beste Entscheidung ist jedoch nichts wert, wenn die Ausführung unpräzise ist und somit der Ball nicht ankommt. Daher basiert eine gute Handlungsschnelligkeit immer auf zwei Komponenten: Kopf und technische Fähigkeiten.


Wie kann ich die Handlungsschnelligkeit meiner Spieler verbessern ?

Die fußballspezifische Handlungsschnelligkeit ist sehr komplex und kann somit nicht mithilfe von isolierten Übungsformen trainiert werden. Übungen, wie Passfolgen oder ein Dribbelparcours sind jedoch trotzdem wichtig um die Grundtechniken der Kinder, welche die Basis für eine saubere Ausführung sind, zu trainieren.


Geht es jedoch um das wahrnehmen, antizipieren und schnelle Entscheiden bringen diese festen Übungen keinen Ertrag. Um die Handlungsschnelligkeit zu trainieren eignen sich verschiedene Spielformen. Dabei entstehen unendlich viele unterschiedliche Spielsituationen, Räume, Zweikampf- und Überzahl-Unterzahl-Situationen, die es für die Kinder zu lösen gilt. Genauso wie im Wettkampf. Wichtig hierbei ist jedoch so wenig wie möglich ins Spielgeschehen einzugreifen, um die Kinder eigene Lösungen finden und erleben zu lassen. Fehler dürfen und müssen gemacht werden, um beim nächsten Mal eine bessere Entscheidung zu treffen.


Des Weiteren ist es wichtig die Spielformen zu variieren und stets neue Reize zu setzen, wie zum Beispiel mit Provokationsregeln an die sich die Spieler in der Spielform halten müssen. So kann man die Ballkontaktzahl pro Spieler begrenzen, Tabuzonen einrichten, eine zeitliche Begrenzung für Angriffe vorgeben oder Schusszonen markieren.


Zusammenfassend lässt sich sagen:  Die beste Methode um die Handlungsschnelligkeit zu trainieren, ist das Spiel selbst. Daher ist es enorm wichtig im Kinderfußball viel spielen zu lassen.

Zurück
Andere Beiträge