Fragen stellen - Ein enorm wichtiges Coaching Instrument

Sowohl im Profifußball als auch im Amateurbereich findet man die verschiedensten Trainertypen. Jeder Trainer entwickelt seinen eigenen Stil oder Philosophie. Besonders im Kinderfußball kann der Coachingstil einen erheblichen Einfluss auf die fußballerische und persönliche Entwicklung nehmen.

Woche für Woche sieht man als Trainer, Betreuer, Spieler oder Elternteil die verschiedensten Trainertypen an der Seitenlinie. Der eine ist sehr gelassen, der andere wiederum schreit seine Kinder auf dem Feld an und gibt permanente Anweisungen. Genauso verhält es sich beim Training. Der eine Trainer lässt viel ausprobieren und stellt gezielte Fragen, der andere gibt den Drill Instruktor. Jeder so wie er es für richtig hält oder es gelernt hat. 


In diesem Beitrag soll es einmal darum gehen, seinen eigenen Coachingstil zu überdenken oder ihn einfach ein bisschen zu optimieren.  Wenn Kinder Angst haben Fehler zu machen, weil sie dann angeschrien oder ausgewechselt werden, sollten das die ersten Alarmsignale für den Trainer sein, das etwas mit dem eigenen Coachingstil nicht stimmt. Was leider viele trotzdem nicht stört. Wer schlecht spielt und Fehler macht, wird halt ausgewechselt. Ist doch in der Bundesliga auch so. Hauptsache die Ergebnisse stimmen. FALSCH. Fehler gehören zum Lernprozess eines jeden Menschen dazu. Gerade im Kinderfußball. 


Anstatt die Spieler zu belehren oder zu instruieren, sollte der Trainer sie mit vereinfachten Spielen dazu anregen alle erhaltenen Probleme selbstständig zu lösen. Je mehr Wissen das Kind durch die Praxis aufnehmen kann, desto besser kann es diese Erfahrungen in der Folge unterbewusst und intuitiv einsetzen. Allerdings reichen nur die gemachten Erfahrungen nicht aus, um sich bestmöglich zu entwickeln. Denn der Erwerb von Wissen und Erfahrung wird erst dann erheblich verbessert, wenn der Trainer gezielte Fragen stellt und mit Demonstrationen die Inhalte klar und verständlich aufbereitet.


Leider sieht man heute noch in zu vielen Vereinen, Trainer die beim Coaching noch Hauptdarsteller sind, weil sie ihren Spielern dauernd kommunizieren, was sie zu tun haben. In einem modernen Training, sollte immer das Kind der Hauptdarsteller sein. Nur so kommt es zum aktiven Lernen, dessen Lernergebnisse im Langzeitgedächtnis haften bleiben. Wenn der Trainer stattdessen immer alle Lösungen vorgibt, gehen die Lernergebnisse schnell wieder verloren.


Die ständige Flut von Befehlen und Anweisungen, die oft im Wettkampf oder Training auf die Spieler einprasseln, verhindert das die Kinder ihre Intelligenz im Spiel einbringen können.  Anstatt sie im Training mit Problemen zu konfrontieren, die sie versuchen zunächst selbst zu lösen, geben viele Trainer die Lösungen bereits vor. Das heißt die Spieler müssen nur noch ausführen, ohne richtig verstanden zu haben, wann sie es tatsächlich brauchen. Dieser autoritäre Coachingstil kann keine spielintelligenten Spieler hervorbringen, die sich jederzeit ihres Handelns bewusst sind.


Ein guter Trainer sollte seine Spieler stets dazu ermutigen auch mal Risiken einzugehen, zum Beispiel sich häufig im 1 gegen 1 auszuprobieren oder kreativ zu sein. Dabei ist es wichtig bei eventuellen Fehlern nicht lautstark zu kritisieren (Schreien am Spielfeldrand) oder zu bestrafen (Auswechslung). Natürlich ist es trotzdem bedeutsam mit den Spielern über gewisse Spielsituationen zu sprechen und Verbesserungsvorschläge anzubieten.


5 knackige Tipps für ein optimales Coaching

  • Stimulieren statt instruieren !
  • Fehler sind erlaubt !
  • Der Kreativität darf freien Lauf gelassen werden !
  • Risiken dürfen eingegangen werden !
  • Fragen stellen, Fragen stellen, Fragen stellen !


12 weitere Tipps für eine gute Trainerkommunikation findet ihr HIER.


Spielerorientiertes Lernen durch gezielte Fragen

Anstatt einen minutenlangen Monolog zu führen oder alle Lösungen bereits vorzugeben, ist es wichtig gezielte Fragen zu stellen, welche die Kinder zum Nachdenken anregen und ihnen folglich auch beim Verstehen helfen. Dabei sollte man vorwiegend offene Fragen stellen, welche nicht nur mit Ja oder Nein beantwortet werden können.


Einige Beispiele für fußballspezifische Fragen sind:

  • Was ist wichtig wenn du in ein frontales 1 gegen 1 gehst ?
  • Was passiert wenn du in dieser Situation zu langsam dribbelst ?
  • Was solltest du als Verteidiger beachten, wenn es zu einem frontalen 1 gegen 1 kommt ?
  • Mit welchem Fuß solltest du in dieser Situation den Ball annehmen ?
  • Was ist das Ziel, wenn du als Angreifer den Gegner im Rücken hast ?


"Man sollte nie aufhören, Fragen zu stellen." von Albert Einstein 


All diese Fragen sind nur kleine Beispiele für die verschiedensten Spielsituationen im Training oder Wettkampf. Lasse als Trainer die Übungen zunächst frei durchlaufen, denn so erkennst du schnell, wo die Kinder Fehler machen. Diese Fehler kannst du wiederum nutzen, um gezielte Fragen zu stellen und die Spieler selbst lösen zu lassen.  Dies erfordert die Fähigkeit des Trainers sein Wissen zurückhalten und seine Spieler durch geschickte Fragen zum Nachdenken anregen zu können. 


Diesen Prozess nennt man aktives bzw. entdeckendes Lernen. Diese Art von Coaching führt bei den Kindern zu einer wesentlich größeren und langfristigeren Merkfähigkeit, was eine nachhaltige Qualitätssteigerung zur Folge hat. Ein weiterer Vorteil vom aktiven Lernen ist, dass die Spieler mit viel mehr Freude dabei sind, weil sie kreativ und einfach Kind sein können. 






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