Fehlende individuelle Förderung im Kinderfußball

Spätestens bei der vergangenen WM hat man gemerkt, woran es momentan im deutschen Fußball mangelt. Fehlende individuelle Klasse.

Wo sind sie momentan ? Die Individualisten und Ballkünstler . In Deutschland werden sie schmerzhaft vermisst. Wenn man kreative Spieler sehen möchte, welche ihre Gegner mal im 1 gegen 1 vernaschen, muss man derzeit nach Frankreich, England oder Spanien schauen.  Hierzulande ist diese Spezies sehr rar geworden. Ein Leroy Sane ist beispielsweise einer dieser selten gewordenen Kicker. Einer der sowohl auf engem Raum, als auch im raumüberbrückenden Dribbling immer wieder Lösungen findet und für Überraschungsmomente sorgt.

Der Fußball ist taktischer geworden und selbst unterlegene Gegner schaffen es mittlerweile sauber zu verschieben und die Räume eng zu machen. Wie soll man also beispielsweise gegen einen tief stehenden und taktisch gut aufgestellten Gegner zum Torerfolg kommen ? Die Lösung sind Individualisten, die es schaffen ein oder zwei Gegenspieler auszuspielen und dadurch Lücken reißen für ihre Mitspieler.

Aktuell sieht man jedoch folgendes Bild auf deutschen Fußballplätzen:

  • Trainer die ihre Kinder steuern wie Marionetten
  • Spieler die bereits schon auf den Positionen festgelegt sind
  • schwächere Spieler die gar nicht oder weniger spielen dürfen
  • Trainer und Eltern die das Passspiel einfordern
  • Ergebnisdruck von Außen

In der Altersklasse wo die Spieler eigentlich das Dribbling, die Kreativität und das offensive 1 gegen 1 lernen sollten, dort werden sie gebremst. Zum einen weil die Trainer schon ein Passspiel wie bei den Großen erwarten, das Training falsch ausgerichtet ist und zum anderen die Wettkampfform altersentsprechend angepasst werden müsste.

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Es liegt einfach in der Natur der Kinder, dass sie ihren Ball nicht Ball abgeben wollen. Sie wollen dribbeln und ganz viele Tore schießen. Der Teamgedanke steht noch hinter dem eigenen individuellen Erfolg. Genau diese Merkmale müssen gefördert und nicht einfach ignoriert werden. 

Eine großer Schritt in die richtige Richtung war die Einführung der Fairplayliga, um den Kindern den Ergebnisdruck zu nehmen. Leider ist dies noch nicht in allen Köpfen der Trainer und Eltern angekommen, für die das Ergebnis immer noch an oberster Stelle steht. Doch das liegt weniger an der Fairplayliga, sondern an dem fehlenden Wissen der Trainer, worum es im Kinderfußball wirklich geht.

Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Einführung von Funino, einer dem Alter angepassten Spielform. Auch hier sind die ersten Bundesländer in den Probespielbetrieb gestartet. Des Weiteren sollten Kindertrainer ihren Trainingsschwerpunkt anders setzen. Das heißt keine isolierten Übungsformen, sondern viel mehr Spielformen und die Schulung des 1 gegen 1. Auch hier sollte Funino häufig ein Bestandteil sein. Viel mehr Ballaktionen, mehr Torerfolge und mehr 1 gegen 1 Situationen sind nur drei von unzähligen Vorteilen dieser Spielform. Mehr über Funino könnt ihr HIER lesen.

Wann sollen Kinder das Dribbling lernen ?

Ich stelle mir oft die Frage, wann Kinder das Dribbling lernen sollen, wenn nicht im Kindesalter ? Denn je älter sie werden desto komplexer wird das Spiel und umso wichtiger wird dann letztendlich auch Taktik und das Passspiel. Das heißt, wenn die Kinder bereits von Anfang an nicht dribbeln dürfen, dann werden sie es nie richtig können und am Ende bekommen wir zwar taktisch gut ausgebildete Spieler, die jedoch technische Defizite im 1 gegen 1 aufweisen.

Und noch eine Frage : Was haben Cristiano Ronaldo, Neymar, Lionel Messi, Kylian Mbappe, Maradona und Zinedine Zidane gemeinsam ? Richtig, sie waren bzw. sind taktisch super ausgebildet und können klasse 5-10 m Pässe spielen. Spaß beiseite, es waren bzw. sind alles unglaublich starke und kreative Einzelspieler, welche Sachen mit dem Ball können, womit niemand rechnet. Genau solche Kicker fehlen in Deutschland. Doch diese Spieler bekommen wir nur, wenn wir es unseren Jüngsten erlauben zu dribbeln, auch wenn sie mal den Ball verlieren und man dadurch ein Gegentor fängt und man am Ende vielleicht nicht Kreismeister der E-Jugend wird. Denkt bitte daran, gute Jugendtrainer werden nicht am Ergebnis sondern an der Ausbildung ihrer Spieler gemessen.

Lasst eure Kinder eigene Lösungen finden bzw. gebt ihnen Tipps, um sie dabei zu unterstützen. Das Schlimmste ist, wenn sie verängstigt den Ball abspielen müssen, weil sonst der Trainer von außen schimpft. Dadurch treffen sie Entscheidungen, die sie instinktiv nicht treffen würden. Hinweise in der Halbzeit oder nach dem Spiel sind super um ihnen zu zeigen, dass es auch noch andere Möglichkeiten gibt um Spielsituationen zu lösen. Aber steuert die Kids bitte nicht von außen wie Marionetten.

Worum geht es im Kinderfußball ?

Richtig, um die AUSBILDUNG und nicht ums Ergebnis. Oft hört man von den Eltern „Der muss doch mal abspielen“ oder „Die müssen mehr zusammenspielen“ .  So ein Quatsch. Das sind Kinder und keine Erwachsenen. Lasst euch von solchen Sprüchen bitte bitte nicht leiten. Die Kinder finden Lösungen und um diese zu finden, müssen sie Fehler machen dürfen. Einfach spielen lassen, bei der Lösungsfindung unterstützen und fördern. Es gibt viele gute Trainer die es bereits verstanden haben aber leider noch zu viele, die den Erwachsenenfußball auf die Kinder projizieren.  Im Kinderfußball geht es primär darum, den Spielern es zu „erlauben“ kreativ zu sein und ins 1 gegen 1 zu gehen. Immer und immer wieder. Gerade im Training kann man dies mit zahlreichen tollen Übungsformen schulen. Die Kinder und auch die nachfolgenden Trainer der älteren Altersklassen werden es euch am Ende danken.

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