Facetten des Leistungsvermögens eines Jugendspielers - Teil 1

Das Leistungsvermögen unserer Kinder/Jugendlichen hängt nicht nur von körperlichen Merkmalen oder sportlichen Fertigkeiten ab, sondern hat eine Vielzahl von komplexen Einflussfaktoren.

Viele Spieler scheitern auf ihren Weg zum Profispieler nicht am fußballerischen Talent, sondern immer häufiger an einfachen Dingen des Lebens. Die Entwicklung der Kinder hat viele Facetten und die individuellen Rahmenbedingungen bedürfen mehr Aufmerksamkeit. Trainer sind nicht mehr nur Übungsleiter, vielmehr auch Psychologe, Lehrer, Ernährungsberater und Sozialarbeiter in Personalunion. Zahlreiche scheinbar nebensächliche Kompetenzen bieten dabei vielversprechende Synergieeffekte und sogar die Chance am Ende den Unterschied zu machen. Je besser die Rahmenbedingungen fürs Spielen, Üben und Lernen, desto besser können Spieler verschiedene Alltagskompetenzen entwickeln.



Thesen:

  • Ein Spieler der gut mit Konflikten umgehen kann, kann sich besser beim Training und Spiel auf wichtige Einflüsse konzentrieren
  • Ein Spieler mit guter Bildung und viel Kreativität kann fußballerische Grundlagen leichter durchdringen und schneller Lösungen in schweren Situationen finden
  • Ein Spieler der gesund und fit ist kann beim Training und Spiel mehr Energie abrufen

 

Drei oberflächliche Thesen, die wahrscheinlich ein Großteil meiner Trainerkollegen unterschreiben würde. Doch wer weiß wirklich welches Kind vor den Spielen vernünftig frühstückt? Wer übt zielgerichtet den Umgang mit Konflikten statt diese komplett zu unterbinden? Wer achtet konsequent auf das Einhalten von Grundregeln und gefährdet vorsätzlich Siege, weil er gute Spieler aus disziplinarischen Gründen auf der Bank lässt?


Gerade in sozial schwächeren Stadtgebieten sind wir Trainer uns oft gar nicht bewusst welch großen Einfluss wir auf die Kinder haben und welch weitreichende Auswirkungen selbst einfachste Handlungsmuster haben können. Ein guter Fußballtheoretiker ist noch lange kein guter Kinder- bzw. Jugendtrainer, wenn er nicht über Empathie, psychologische Grundkenntnisse und klare soziale Grundsätze verfügt. Nur wer selbst authentisch und klar mit sämtlichen Akteuren interagiert, kann in allen Facetten tiefgründigen und positiven Einfluss auf Kinder- und Jugendspieler nehmen.


1. Fußballerische Fertigkeiten

Die Förderung der sportlichen und fußballerischen Fertigkeiten ist die Kernaufgabe jedes Trainers. Interessantes und abwechslungsreiches Training motiviert Kinder zu guten Leistungen und ermöglichen somit eine gute Entwicklung. Titel und Siege sagen nichts über den Entwicklungserfolg von Spieler aus. Überspitzt könnte man sagen: Siegesserien sind Unterforderung der

Spieler.

 

Lernfortschritte setzen Fehler voraus und Niederlagen sind wichtig. Besonders für junge Spieler. Natürlich sollen Teams gewinnen und Erfolgserlebnisse haben, aber bitte nicht ohne Anstrengung und um jeden Preis. In jeder Handlung und Entscheidung denkt bitte an die Entwicklung, nicht an den Pokal. Wer fürs Ego trainiert, schadet den Kindern.


2. Selbst- und Sozialkompetenzen

Grundwerte bestimmen die Regeln des Zusammenlebens in Gruppen. Wie möchten wir von anderen behandelt werden und wie behandeln wir andere? Je früher wichtige Werte vermittelt und gelebt werden, desto selbstverständlicher werden diese auch später umgesetzt. Die elterliche Akzeptanz der Grundwerte und aktive Unterstützung, sind für den Lernprozess dieser Fähigkeiten enorm wichtig.


  • Fairness und Ehrlichkeit
  • Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft
  • Spaß und Freude
  • Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit


Selbstkompetenzen beschreiben die Fähigkeit, sich mit seinem eigenem Können auseinander zu setzen. Besonders eine gute Selbstreflexion hilft extrem, um eigene Stärken zu erkennen und Schwächen zielgerichtet abzubauen. Bei Kindern sind diese Eigenschaften nicht oder kaum vorhanden und müssen erst erlernt werden.


  • Eigeninitiative
  • Entschlusskraft
  • Reflexionsfähigkeit
  • Kritikfähigkeit
  • Selbstdisziplin
  • Motivation
  • Entschlossenheit


Sozialkompetenzen beschreiben die individuelle Fähigkeit, in Gruppen zu interagieren. Sowohl das Durchsetzen von eigenen Ansichten, als auch das Akzeptieren anderer Ansichten, spielen hier eine wichtige Rolle. Auch diese Fähigkeit besitzen jüngere Kinder kaum und müssen schrittweise erlernt werden.


  • Kommunikation
  • Kooperation
  • Moral
  • Konfliktfähigkeit


3. Bildung und Kreativität

Fußballerische Grundlagen gedanklich zu durchdringen, erfordert ein großes Maß an Konzentrationsfähigkeit und Vorstellungsvermögen. Auf technische bzw. methodische Lösungswege in Stresssituation zurückzugreifen, erfordert Übung und einen klaren Kopf. Gute schulische Leistungen tragen hierzu positiv bei und machen Spieler besser. Abstrakte Übungen und Spielformen zu analysieren kann durch den Trainer zielrichtet gefördert werden, aber auch hier ist ein kluger Kopf gefragt. Spielintelligenz und schulische Leistungen haben zwar kein zwingenden Zusammenhang, jedoch ist auf die Schule immer besonders Rücksicht zu nehmen. Bildung geht vor Hobby!


4. Gesundheit und Ernährung

Die Gesundheit eines Spielers spielt eine zentrale Rolle um sportliche Höchstleistungen zu bringen. Nur wer gesund und munter ist, kann die vielseitigen Herausforderungen im Fußball bewältigen. Wer die falschen Schuhe trägt, friert oder ein leeren Magen hat, kann keine 100% geben. Besonders die Ernährung ist ein wichtiger Faktor und wirkt sich auf die Leistungsfähigkeit aus.

 

 

Akzeptanz und positive Unterstützung im Elternhaus ist ein Schlüsselfaktor für die Förderung !

Zwar kann ein Trainer auf bestimmte Faktoren Einfluss nehmen, jedoch nur, wenn auch das Elternhaus diese Maßnahmen unterstützt. Erklärt ein Trainer die Bedeutung von gesunder Ernährung und zum Abendessen gibt es zuhause trotzdem jeden Tag Fast Food, wird kein positiver Effekt einsetzen.


Bei der Förderung jeder einzelnen Facette ist es zwingend erforderlich, auch die Eltern mit ins Boot zu holen. Nur wenn im Elternhaus die Akzeptanz vorhanden ist, haben wir Trainer auch Möglichkeiten. Hierfür bieten sich regelmäßige Elternabende an, an denen den Eltern die Lernziele und deren Bedeutung detailliert erläutert werden. Zur Unterstützung bietet sich eine kurze schriftliche Erläuterung ebenfalls an. Auch regelmäßige Gespräche am Platz gehören dazu. Hier muss jeder seinen eigenen Weg finden wie er mit den Eltern kommuniziert.

 

Weiterhin hängt der Grad der Beeinflussung stark von der Grundsubstanz des Elternhauses ab. Während ein Elternhaus bereits auf gesunde Ernährung, schulische Leistungen und einen vernünftigen Umgangston achtet, ist dies in anderen Elternhäusern weniger ausgeprägt. Dies zu erkennen und entsprechend richtig zu handeln, ist nicht immer leicht. Am Ende seid ihr nur der Trainer und kein Elternteil.


  • Beginnt erst mit Maßnahmen wenn ihr ein klaren Blick auf Umstände und Situation habt
  • Unterstützt, aber verurteilt nicht
  • Viel ist möglich, aber nicht alles immer nötig
  • Wisst, aber vermutet nicht
  • Hilfsangebote können auch negativ aufgefasst oder missverstanden werden


In der nächsten Woche erscheint der zweite Teil zu diesem Thema, indem es dann darum geht, wie man die einzelnen Facetten fördern kann.  

 


 

 

 





 

 


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