Die Fairplayliga - Eine Bereicherung für den Kinderfußball

Seit einigen Jahren wird deutschlandweit nach den Regeln der Fairplayliga gespielt. Was viele als Segen empfinden, sehen andere als völliger Unsinn. Toni Born von der SG Phönix Wildau hat uns seine Meinung zu diesem Thema einmal niedergeschrieben.

Im Bereich der F-und G-Jugend starten unsere Teams seit einiger Zeit im neuen Modus der Fair-Play-Liga. 

Was viele als Quatsch und "das hat doch nix mit Fußball zu tun" titulieren, hat einen elementaren Sinn. Es zeigt in den aktuellen Diskussionen wie Ergebnisbesessen unsere Gesellschaft, Eltern und Trainer sind.

"Ohne Schiedsrichter?", höre ich immer und fange wieder bei null an zu erklären. Warum heißen Kinder eigentlich Kinder? Ganz einfach, weil Sie keine Erwachsenen sind. Sie begreifen den Fußball noch nicht als Ergebnissport mit Siegen und Titeln. 

Wer feiert denn heute noch seinen Kreismeistertitel der G-Junioren von vor 20 Jahren? Die Kids haben einfach nur Bock auf Fußball. Ergebnisse sind Minuten, wenn nicht sogar Sekunden nach Schlusspfiff längst vergessen. Die erste Frage, die wir als Trainer nach dem Spiel zu hören bekommen ... "Machen wir noch 9m Schießen?"... So banal sieht man wie Kids ticken.

Wir sollten uns darauf besinnen den Kindern das Fußballspielen als das schönste Hobby, neben dem täglichen Wahnsinn, zu vermitteln. In dem Fall ist die Fair-Play-Liga ohne Tabellen, ohne Ergebnisse und damit ohne Erfolgsdruck ein entscheidender Schritt für den Kinderfussball! 

Wir selbst haben in den letzten beiden Saisons alle Heimspiele der F-Jugend ohne Schiedsrichter spielen lassen. Verblüffend was Kinder für richtig und falsch entscheiden. Die Netto-Spielzeit geht fast an 100% heran - kaum Unterbrechungen und ein faires Miteinander auf dem Feld. Das bedingt jedoch auch Trainer, die sich darauf einlassen. An dieser Stelle ein Dank an alle Trainer, die sich im letzen Jahr dafür entschieden haben! 

Wir werden es nie schaffen den Erwachsenenfussball auf Kinder zu übertragen. Sie werden und müssen früh genug viele Drucksituationen durchleben. Zeigt ihnen die richtige Passtechnik, Schusstechnik, Finten - bringt ihnen so viel wie möglich bei, sodass alle Kinder auf den späteren Fußball gut vorbereitet sind. 

Taktik? Libero? 4er-Kette? - Das F-Team führt mit 1:0 .. eine Minute ist noch zu spielen. "Alle nach hinten", ruft der Trainer. Ist das unser Ziel? Nein - Ich verliere ein Spiel lieber 5:6, als das ich 1:0 gewinne. Der Grund ist einfach: Ziel ist das schießen von Toren - klappt in den unteren Bereichen klar einfacher. 

6 Gegentore? Ja so ist das eben. Solche Spiele gab es des Öfteren und es waren die besten Spiele - zwei Teams mit voller Power, ein Tor schöner als das Andere. Nach solchen Spielen bin ich als Trainer glücklich und stolz. 

Wenn der vermeintlich beste Spieler mal nicht von Anfang an spielt? "Warum spielt denn der? Der kann doch nix!", tatsächlich Aussagen von Eltern und Trainern. Weil jeder Spieler und jede Spielerin gefördert werden soll. Das Leistungsgefälle in den unteren Jahrgängen ist riesig. Ein Jahr scheinen teilweise Welten. "Warum spielt der nicht durch?" - "Warum spielt der jetzt in der Abwehr? Er kann nur Stürmer!", Aussagen, die ich stets schmunzelnd zur Kenntnis nehme. Unser klares Prinzip: Jeder auf jeder Position! Im Tor probiert jeder, der möchte - ja auch wenn es mal in die Hose geht. Was erreichen wir damit? Viel Erfahrung. Wir wissen doch heute noch nicht, ob der aktuelle Knipser, der auch noch pfeilschnell ist, vielleicht der nächste linke Aussenverteidiger wird oder ob der aktuelle Verteidiger eine steile Karriere als Torwart hinlegt. Gebt den Kids die Möglichkeit sich auszuprobieren! 

Der Eine oder sogar die Eine hat vielleicht später eine Chance ganz oben anzukommen und dann seid ihr ein Teil der Geschichte! 

 

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