“Brülltrainer” - Alltag auf deutschen Fußballplätzen

Jeder kennt ihn und jeder hat ihn irgendwo schon einmal gesehen. Einen schreienden Trainer, der seine Kinder delegiert wie ein Kommandant bei der Bundeswehr. Mittlerweile findet man diese Trainer überall. Sie zählen zum Alltag und prägen das Bild auf deutschen Fußballplätzen. Nicht weit davon entfernt, die hysterischen und schreienden Fußballeltern.

Ich erlebe wöchentlich die verschiedensten Trainertypen. Vom ruhigen gelassenen Trainer, der gar nicht ins Spielgeschehen eingreift, bis hin zum permanent schreienden Trainer. Ich möchte euch gerne ein kleines persönliches Beispiel geben und ihr könnt entscheiden, ob euch dies bekannt vorkommt oder nicht.

Wie jedes Wochenende machte ich mich  auf den Weg zum Fußballplatz. Kaum habe ich das Sportgelände betreten, hörte ich den Trainer einer Mannschaft schreien. Ich dachte mir: Okay, er gibt vielleicht ein paar kurze Anweisungen und dann beruhigt er sich wieder. Aber Nein, er beruhigte sich nicht. Das ganze Spiel nicht.  Er schrie seine Kinder an und kommentierte jede Aktion. Sobald der Ball den Mitspieler gewechselt hat, rief er was er machen soll:  „Geh die Linie, passe rechts rüber, Kopf hoch, Luca steht frei, zieh nach innen, trete auf den Ball, spiel hinten rum, wechsel die Seite und und und.“ Die Kinder waren seine Marionetten und er sagte, was sie zu tun haben. Für den Trainer ging es anscheinend um Alles. Für ihn war es Weltmeisterschaft, Olympia und Champions League Finale zusammen. Am Abend zuvor noch einmal Pep Guardiola im Fernsehen studiert und nun wie ein ganz großer Trainer seine Kinder kommandieren. Alles für den Erfolg der Kinder ? Nein nicht für den Erfolg der Kinder, sondern um sich im Falle eines Sieges als Trainer zu rühmen .

Nach 10 Minuten Dauergebrülle fragte ich einen netten Zuschauer neben mir, ob der Trainer immer so schreit ? Der Mann antwortete mit JA und erzählte mir, dass sein Sohn in dieser Mannschaft spielt. Er klagte mir kurz sein Leid und sagte das sein Kind im letzten Jahr so gut und mit so viel Freude Fußball gespielt hat. Bei vielen Turnieren wurde sein Sohn Torschützenkönig oder sogar zum besten Spieler ausgewählt. Nun, unter diesem Trainer, taucht sein Junge völlig ab. Er traut sich einfach nichts mehr. Er hat Angst Fehler zu machen und dann dafür angeschrien oder gar ausgewechselt zu werden.

Ein Fall der nicht selten im Jugendfußball vorkommt. Der brüllende Trainer , der von der Seitenlinie permanente Anweisungen gibt, nimmt seinen Spielern den Spaß und vor allem ihre Kreativität. Sie machen die Dinge, die der Trainer ihnen von außen vorgibt, ohne eigene Ideen zu verwirklichen. Sie gehen keine Risiken ein, um Fehler zu vermeiden. Sie spielen unter ständigem Druck.

Des Weiteren werden Spieler eines sogenannten “Brülltrainers” später Probleme bekommen, wenn sie in den darauffolgenden Jahren einen Trainer an der Seite haben, welcher kaum noch ins Spielgeschehen eingreift, da sie dann gar nicht mehr wissen was sie machen sollen.  Durch diese “Brülltrainer”, verlieren viele Kinder nicht nur ihre Kreativität sondern auch die Lust am Fußball. Nur weil ihr Lehrer nicht weiß wie er sich zu verhalten hat und sich mit positiven Endergebnissen rühmen möchte.

Doch worum geht es im Kinderfußball ?

Kinderfußball ist das Spielen ohne Leistungs- und Ergebnisdruck. Fehler machen zu dürfen ohne dafür Konsequenzen befürchten zu müssen. Kreativ zu sein und Dinge einfach ausprobieren zu können. Spaß am wunderbaren Fußballspiel. Denn es geht nicht um dich als Trainer. Es geht nicht darum wie viele Spiele,Turniere oder Meisterschaften du mit den Kindern gewinnst. Messe dich an der Entwicklung jedes einzelnen deiner Spieler. Messe dich daran wie viele deiner Spieler den Sprung zu einem größeren Verein, zum Stützpunkt oder in die Landesauswahl schaffen. Messe dich daran wie viele deiner Spieler dem wundervollen Sport bis in den Männerbereich treu geblieben sind.

Merke dir : Kinder entwickeln sich am besten ohne Druck.

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